
Diese Seite ist noch im Entstehen. Hier sollen in Zukunft weitere Ausdrücke, kürzere Texte und Dialoge auf Gutamål (Gutnisch) erscheinen.
Alternative Schreibweisen sind in Klammern angegeben. Für Hinweise, Ergänzungen oder Korrekturen bin ich natürlich immer dankbar.
Hier einmal Beispiele für typisch gutnische Ausdrücke und Redewendungen:
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Dei årdnar si. |
Das wird schon. (es ordnet sich.) |
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Sno di, vör (vöir) kummar för saint. |
Beile Dich, wir kommen zu spät. (wende/drehe Dich) |
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äntlien gutt |
sehr gut |
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Summan kummar (kumbar) |
Der Sommer kommt. |
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ei neitres (ei nättras) |
Letzte Nacht, die Nacht vor heute |
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ei jåns |
vor einer Weile, eben |
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sjauteidn |
Zeit um sieben Uhr herum (auch mit anderen Stundenangaben machbar, z. B. feirteidn) |
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fran bans bainum |
von Kindheit an (von Kinders Beinen) |
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ei retn teid (täid) |
Rechtzeitig, zur rechten Zeit (in der rechten Zeit) |
Ausdrücke aus der Alltagssprache:
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Va (hva) haitar däu? Ja haitar Jakob. |
Wie heißt Du? Ich heiße Jakob. |
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Va (hva) mike jär (jer) klukku (klucku)? |
Wie spät ist es? (Wie viel ist die Uhr?) |
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Va (hvar) lains star de till med (mä) di? |
Wie geht es Dir? (Wie steht es zu mit Dir?) |
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Töiv (töv) leite (läite) aine. |
Warte ein bisschen |
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ajö, hadjö |
Tschüss, auf Wiedersehen |
Redewendungen
Die Redewendung Di väis hynsi kan ú värp ei nättlar (Die klugen Hühner können ihre Eier auch in Brennnesseln legen) meint, dass selbst die Klügsten oder Erfahrensten nicht unfehlbar sind. Die Redensart findet sich auch in anderen Sprachen. Im Dänischen heißt es entsprechend Kloge høns kan også gøre (værpe) i nælderne.
Eine andere gotländische Redenswendung ist Ettar kakdagar kummar (kumbar) skrapdagar. Das Wort kake meint süße Backwaren oder Kuchen, darunter auch kakbulle, was ein (süßes) Weizenbrötchen meint. Das Wort skrap verweist auf skrapbulle. Das sind Brötchen, die aus dem Teig gebacken wurde, der aus der Teigschüssel gekratzt oder geschrabt (skrape) wurde (also der restliche, schlechetere Teig). Gemeint ist hier also, dass auf gute Tage auch wieder schlechte Tagen folgen.
Überliefert ist auch Sunn' blå nård' snåi, nård' blå sunn' tåi (Südlich blau, nördlich Schnee, nördlich blau, südlich Tau). Ist also der Himmel im Süden blau, soll Schnee von Norden kommen. Ist der Himmel im Norden blau, soll von Süden Tauwetter kommen.
Der Ausspruch Lagum jär (jer) aldri haime (Lagom wird niemals heimisch) kann als Kritik an der schwedischen Lagom-Kultur verstanden werden. Lagom kann positiv auf Angemessenheit und Mäßigung, im negativen Sinne aber auch auf Durchschnittlichkeit und Mittelmaß referieren.
Die Redewendung Haustnat u banröiv (barnröv) kann ingen (inggen, ingg‘) leit (läit) pa (Einer Herbstnacht und einem Babyhintern kann niemand vertrauen) mahnt Fischer (und Eltern) zur Vorsicht.
Literatur
Natürlich hat Gutamål auch literarisch Spuren hinterlassen. Ein bekannter Text auf Gutamål ist das von Gustaf Larsson (1893 - 1985) im 20. Jh. verfasste Gedicht Naudljaus (Notlicht). Larsson (1893-1985) war beruflich mit der Landwirtschaft verbunden und begann sich schon früh für die gotländische Sprache und Kultur zu interessieren. Er dokumentierte Kulturgüter der Insel und verfasste lyrische Texte - auf Schwedisch und Gutnisch. Zum Teil wurde er auch als gotländischer Nationaldichter (nationalskald) umschrieben.
Hier einmal Naudljaus im Original und in einer deutschen Übersetzung:
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Naudljaus Strandild’n vakar pa burgi |
Notlicht Das Strandfeuer wacht auf der Strandkuppe |
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- Naudljaus för an fatti själ, |
- Notlicht für eine arme Seele, |
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sum dreivar raidlaus ei nidmörkar, |
die nest-los in der Finsternis treibt, |
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däu löisar ei land u vill mi väl. |
du leuchtest an Land und willst mir wohl. |
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Sjoen brautar yvar bräuni, |
Die See bricht auf über den Rand, |
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vill släuke min gamble bat. |
will verschlingen mein altes Boot. |
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Strandild’n vakar ei austar |
Das Strandfeuer wacht im Osten |
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u laidar mi haim ei nat. |
und leitet mich heim in der Nacht. |
Einige Hinweise hierzu: Das beschriebene Notlicht oder Strandfeuer beschreibt ein Leuchtfeuer für Fischer (fiskefyr oder fiskerfyr), das temporär am Strand brannte und den Fischern bei der Navigation half. Diese Feuer wurden oft von den Fischern selbst betrieben und unterhalten. Das Wort burgi bezeichnet im Gutnischen eine Strand- oder Dünenkuppe. Interessant ist, dass Larsson hier das Zahlwort eine mit an statt mit ain wiedergibt (an själ). Alternativ wäre sonst auch die Verwendung des unbestimmten Artikels mit a oder i (zum Beispiel a själ) möglich. Auf Fårö wäre bei nidmörkar und austar auch eine Pluralbildung auf -ur möglich (z. B. nidmörkur oder austur).
Der Text wurde im 1995 auch von der gotländischen Folkband Gunnfjauns Kapell und später von einem lokalen Chor aus Slite / Gotland vertont.
Wer sich für Gustaf Larsson interessiert, dem sei die Gustaf Larsson Sällskapet empfohlen, der ich hier auch für die Möglichkeit der Publizierung des Gedichtes danken möchte!
Natürlich gibt und gab es noch andere Autoren, die auf Gutamål geschrieben haben. Gertmar Arvidsson (1922-1989) war zum Beispiel ein bekannter gotländischer Lyriker, der in der zweiten Hälfte des 20. Jh. in die Debatte um eine gemeinsame gutnische Orthographie involviert gewesen war. Arvidsson präferierte eine Schreibweise, die einem genuinen Ansatz entsprach und schwedische Schriftzeichen wie å, ä und ö bewusst ausließ. Die Rechtschreibung in seinen posthum publizierten Texten folgte dem jedoch nicht.
Hier das Gedicht Kväldsgrasä:
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Kväldgrasä Kväldgrasä |
Abendgras Das Abendgras |
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löysar int mair |
leuchtet nicht mehr |
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de grönä |
das Grüne |
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har kraupä in |
ist hinein gekrochen |
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ei treiä |
in den Baum |
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tystä minnar |
stille Erinnerungen |
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raidar si |
ordnen sich |
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ei sköymningi. |
in der Dämmerung |
Auffallend ist hier, dass der Text noch an mehreren Stellen den Schlussvokal -ä verwendet. In der heute verwendeten Schreibweise des Gutamål wäre es stattdessen ein -e. So würden die beiden Wörter das Gras und der Baum in der bestimmten Form Singular Neutrum heute als treie und gräse im Schriftbild realisiert werden. Gleiches gilt für das Adjektiv still, das als tyste realisiert werden würde. Das Adjektiv grün würde zudem mit einem Diphthong geschrieben werden, also de gröine (oder selbständig stehend de gröinå). Ein Wort wie die Dämmerung würde in der heute verwendeten Schreibweise mit einem zweifachem Schlusskonsonant g geschrieben werden, also sköimninggi oder skäumninggi.
Das Vater Unser
Hier einmal der gutnische Text des Vater Unser, der der modernen schwedischen Fassung des Vater Unser entspricht:
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O‘ fadar |
Vår fader |
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O‘ (oe) fadar, däu sum jär (jer) ei himln. |
Vår Fader, du som är i himlen. |
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Lat (lätt) ditt nanm blei (bläi, varde) hailigit |
Låt ditt namn bli helgat. |
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Lat ditt reike (räikä) kumme (kumbe). |
Låt ditt rike komma. |
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Lat din ville ske pa jårdi så sum ei himln. |
Låt din vilja ske på jorden så som i himlen. |
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Gi uss ei dag de braud (bröi) vör (vöir) bihövar (behövar). |
Ge oss idag det bröd vi behöver. |
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U förlåt uss o‘ (oe) skuldar, |
Och förlåt oss våra skulder |
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leiksum (läiksum) vör (vöir) har forlåt däim (dum), |
liksom vi har förlåtit dem, |
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sum star ei skuld till uss. |
som står i skuld till oss. |
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U äutsätt uss ikke (inte) för prövningg |
Och utsätt oss inte för prövning |
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äutn frels (fräls, bifrei) uss fran de åundå. |
utan rädda oss från det onda. |
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Ditt jär (jer) reike (räikä). |
Ditt är riket. |
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Ditt jär (jer) makti u äru |
Din är makten och äran |
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ei ivihait. |
i evighet. |
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Ammen. |
Amen. |
Hier einmal das Vater Unser auf Gutamål, das eher dem Text im Dänischen und Deutschen entspricht:
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Fadar oe |
Fadervor |
Vater Unser |
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Fader oe, däu sum jär (jer) ei himln (pl. himlar, himlane). |
Fadervor, du som er i himlene. |
Vater unser im Himmel |
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Hailigit bleir (bläir, varde) ditt namn, |
Helliget blive (vorde) dit navn, |
geheiligt werde dein Name. |
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kumme (kumbe) ditt reike (räikä), |
komme dit rige |
Dein Reich komme |
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ske din ville |
ske din vilje |
Dein Wille geschehe, |
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såssum ei himln så ú pa jårdi; |
som i himlen således også på jorden; |
wie im Himmel, so auf Erden. |
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gi uss ei dag o`(oe) daglige braud (bröi), |
giv os i dag vort daglige brød |
Unser tägliches Brot gib uns heute, |
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u förlåt uss o‘ (oe) skuldar (skuld), |
og forlad os vor skyld, |
und vergib uns unsre Schuld, |
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sum ú vör (vöir) forlåtar daim, sum jär (jer) uss skulduar, |
som også vi forlader vore skyldnere, |
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. |
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u laid uss ikke (inte) inn ei frestlse (frästlsä, frestningg), |
og led os ikke ind i fristelse, |
Und führe uns nicht in Versuchung |
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men frels (fräls, bifrei) uss fran de åundå. |
men fri os fra det onde. |
sondern erlöse uns von dem Bösen |
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För ditt jär (jer) reike (räikä) u makti u äru ei ivihait! |
For (Thi) dit er riget og magten og æren i evighed! |
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. |
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Ammen |
Amen |
Amen |