
Im Folgenden einige Besonderheiten der gutnischen Aussprache – auch im Verhältnis zur Aussprache der anderen skandinavischen Sprachen. Ganz allgemein sind die Wörter im gesprochenen Gutamål oft stärker miteinander verwoben als im Deutschen oder Schwedischen. Die Endvokale sind oft geschwunden.
Tonale Akzente / Prosodie
Wie im Schwedischen, Norwegischen und noch einigen dänischen Dialekten gibt es im Gutamål zwei tonale Akzente, die sich in Veränderungen der Tonhöhe manifestieren. Es gibt also zwei Akzentmuster, die als regelmäßige Tonhöhenänderungen realisiert werden.
Der Akzent I (Akut) entspricht etwa dem Tonfall im Deutschen. Nach der ersten Silbe fällt die Tonhöhe. Anders beim Akzent II (Grav). Hier ist die Tonhöhe nach der ersten Silbe erst fallend, mit der zweiten Silbe jedoch wieder ansteigend.
Wörter mit dem Akzent 1 (Akut) besaßen in früheren Sprachstufen eine Silbe:
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Deutsch |
Altnordisch |
Gutamål |
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Finger |
fingr |
finggar |
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Vogel |
fogl |
fäugel |
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Wetter |
veðr |
vädar |
Wörter mit dem Akzent 2 (Grav) besaßen in früheren Sprachstufen zwei Silben:
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Deutsch |
Altnordisch |
Gutamål |
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Graben |
dīki |
deike |
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Mädchen |
pīka |
peike |
Abweichend vom Schwedischen werden Verben im Präsens im Gutamål durchgehend mit dem Akzent 1 realisiert. Im Schwedischen hingegen werden solche, die auf -er enden mit Akzent 1 und solche, die auf -ar enden, mit Akzent 2 gesprochen. So haben gläidar und seiglar auf Gutamål den gleichen tonalen Akzent, im Schwedischen dagegen wird glider mit Akzent 1 und seglar mit Akzent 2 gesprochen.
Betonung
Die Betonung liegt auf der ersten Silbe eines Wortes. Eine Ausnahme bilden zusammengesetzte Wörter (Komposita), bei der sich die Betonung auf die nachfolgende Silbe verschieben kann (so findet sich die Betonung bei hynsbäuri auf der Silbe -bäu-).
Vokale und Diphthonge
Das a wird relativ offen ausgesprochen (ähnlich wie in Vater).
Beim i und auch beim e gibt es kaum signifikante Unterschiede zur Aussprache im Deutschen oder den anderen skandinavischen Sprachen.
Das o wird nicht (wie im Schwedischen oder Norwegischen) wie ein u ausgesprochen, sondern verbleibt (wie im Dänischen) als o-Laut. Es wird evtl. etwas offener ausgesprochen, ähnlich wie im englischen score. Das früher lang gesprochene o hat sich in der Aussprache zu einem åu (bzw. ou / åo) entwickelt. Ein Wort wie Sonne (dän. und schwed. sol) wird im Gutnischen also als såul realisiert.
Das u wird vor einem einzelnen Konsonanten in der Regel wie iu ausgesprochen. Das gutnische Wort hul für Loch wird also etwa wie hiul ausgesprochen. Ebenso dur für Tür, das etwa diur ausgesprochen wird. Eine Ausnahme bildet ein u vor einem Doppelkonsonanten. In dem Fall kommt es (in der Regel) zu keiner Diphthongierung. Ein Beispiel hierfür wäre das gutnische Wort bukk für Bock.
Die Diphthonge ai, au und åi (oy) sowie die sich aus früher einzelnen Vokalen entwickelten Diphthonge ei (äi), öi, äu, åu (ou, åo) und iu weichen in der Aussprache nicht vom Schriftbild ab.
Weglassen der Schlussvokale
Im Gutamål werden die Schlussvokale oft nicht mitgesprochen (Apokope) – es sei denn, das Wort steht an letzter Stelle des Satzes.
Beispiel: Däu kann väl skriv` haim. Aber: Däu kann väl skrive.
Aussprache von g und k
Anders als im Schwedischen werden die Konsonanten g und k vor weichen Vokalen (e, i, y und ä) nicht zu einem j- oder tj-Laut verschliffen. Sie sind also als einzelne Laute (im Prinzip immer) deutlich hörbar. Anders ausgedrückt: Sie werden plosiv ausgesprochen und nicht palatalisiert.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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geben |
give |
giva |
gi |
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kühl |
kølig |
kylig |
köili, köilur |
Keine Assimilation bei dj, gj sk, skj und stj
Auch in (meist am Wortbeginn stehenden) Konsumentenverbindungen wie dj und gj sowie sk, skj und stj wird jeder einzelne Laut (wie im Dänischen) deutlich ausgesprochen.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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Haut, Leder |
skind |
skinn |
skinn |
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schießen |
skyde |
skjuta |
skjaute / skjautä |
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tief |
dyb |
djup |
djaup |
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gießen |
gyde, hælde |
gjuta |
gjaute / gjautä |
Keine Assimilation bei ld, lg, rg, mb und ng
Das d und g in den (meinst am Wortende stehenden) Konsonantenverbindungen ld, lg, lg, mb, ng und rg wird ebenfalls deutlich gesprochen und nicht verschliffen.
Die Kombinationen mb und ld wurden bereits im Altnordischen verwendet.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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Feiertag, Wochenende |
heligdag, weekend |
hälg |
hälg |
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Berg |
bjerg |
bärg |
bjärg / bärg |
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Hering |
sild |
sill |
sild |
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Abend |
aften |
kväll |
kväld / kveld |
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Kamm |
kam |
kam |
kamb |
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Schaf |
får |
får |
lamb |
Variationen beim r
Die Aussprache des r variiert. Wie in Teilen des übrigen Skandinaviens gibt es die die Variante des frikativen, (leicht) gerollten Zugenspitzen-r. Oft gleicht die Aussprache jedoch mehr einem englischen oder amerikanischen r wie in write oder right und nähert sich beinahe einem Vokal an. Vor stimmlosen (harten) Konsonanten (wie p, t, k oder s) kann es relativ stimmlos bleiben (z. B. mörkar). Am Wortende schwindet das r oft.
Assimilationen bei rl, rn, rs, ts und ds
Anders als im Dänischen oder Schwedischen ist die Assimilation der Konsonantenkombinationen rl, rn, rs, ts und ds vollständig durchgeführt. So lässt zum Beispiel das vorangehende r den nachfolgenden Konsonanten zu einem (supradentalen) Retroflex verschmelzen. Diese Zusammenschmelzung von Konsonanten ist typisch für das Gutamål. Es heißt also nicht barn (Kind), sondern ban.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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gefährlich |
farlig |
farlig |
fali |
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Kind |
barn |
barn |
ban |
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durstig |
tørstig |
törstig |
tåstu |
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Kreuz |
kors |
kors |
kåss (aber kårs auf Fårö) |
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Platz |
plads |
plats |
plass |
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Gut, Ware |
gods |
gods |
gos |
Anders ist es im Übrigen im Fårömål. Dort wird das r auch in den genannten Konsonantenverbindungen noch deutlich ausgesprochen.
Stummes h vor j und v
Ein h vor einem j oder v wird (wie im Dänischen oder Norwegischen) im Regelfall nicht mitgesprochen. In einzelnen älteren, genuinen Varianten soll ein anlautendes h jedoch noch hörbar sein.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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Rad |
hjul |
hjul |
hjaul (gesprochen: jaul) |
Stummes l bei lj
Das l in der Konsonantenkombination lj wird heute oft (wie im Schwedischen) stumm gesprochen. Ein Wort wie ljauge (lügen) wird somit oftmals eher wie jauge gesprochen.
Aussprache von sj
Die Aussprache des Lautes sj nähert sich einem ch-laut (wie im Deutschen Ich) an. Anders als zum Beispiel beim englischen she wird die Zunge etwas weiter vorne im Mund positioniert. Der gotländische Linguist Mathias Klintberg spottete, dass die Visbyer in ihrem Dialekt nicht sju, sondern hu sagen würden. Die gotländische Aussprache soll hier der finnlandschwedischen ähneln.
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Deutsch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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sieben |
sju |
sju |
sjau |
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Schokolade |
chokolade |
choklad |
sjuklad |
Endungen auf -lig und -ug
Bei den Endungen -lig und -ug fällt das -g im gesprochenen Gutamål oft weg.
Wegfall von e in der bestimmten Forum Maskulinum
In der bestimmten Form Maskulinum (-en) fällt das e meist weg. So heißt es im gesprochenen Gutamål meist nicht garden, sondern gardn (der Hof).
Wegfall von t in der bestimmten Form Neutrum
Wie zum Teil im Schwedischen oder Dänischen wird In der bestimmten Form Neutrum (-et) das t meist nicht mitgesprochen. So heißt es im gesprochenen Gutamål meist nicht banet (das Kind), sondern eher banä.
Infinitive
Infinitive werden mit ti oder til eingeleitet (statt mit at oder att). In der gesprochenen Sprache findet sich zum Teil auch ein u.
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Deutsch |
Altnordisch |
Dänisch |
Schwedisch |
Gutamål |
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zu machen |
gera, gørva, gǫrva |
at gøre |
att göra |
ti gere u gere |